November 27, 2021

PayrollWork

Infos, Links, Tools

Unfalldeckung durch Abredeversicherung

Durch den Abschluss einer Abredeversicherung kann die Versicherungsdeckung gemäss UVG nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses oder bei eiinem Unterbruch für maximal 6 Monate verlängert werden.

Arbeitnehmende in der Schweiz sind obligatorisch einer Unfallversicherung angeschlossen. Heilkosten werden dabei in der Regel vollständig, Lohnausfall wird teilweise gedeckt.

Wird das Arbeitsverhältnis beendet, besteht weiterhin eine Nachdeckung für einen Monat. Wer nach Ablauf dieses Monates noch nicht wieder in einem Arbeitsverhältnis angestellt ist oder Taggelder der Arbeitslosenversicherung bezieht, muss sich selber um den Versicherungsschutz bei Unfall kümmern.

Bei der Krankenkasse kann das Unfallrisiko für ein paar Franken monatlich mitversichert werden. In diesem Fall ist die versicherte Person normalerweise gemäss Krankenversicherungsgesetz (KVG) versichert, ergänzende Deckungen können gemäss Versicherungsvertragsgesetz (VVG) gekauft werden. Alternativ kann auch die bestehende Unfallversicherung des (ehemaligen) Arbeitgebers um bis zu 6 zusätzliche Monate verlängert werden – mittels einer Abredeversicherung. Deren Leistungen basieren auf dem Unfallversicherungsgesetz (UVG).

Wo liegt der Unterschied zwischen KVG und UVG?

Die Prämie für die Abredeversicherung (UVG) ist zwar etwas höher als die Prämie bei der Krankenkasse, die Leistungen sind aber viel umfangreicher:

  • Heilkosten werden in der Abredeversicherung ohne Selbstbehalt übernommen.
  • Freie Arzt- und Spitalwahl sind inklusive, bei der Krankenkasse besteht die freie Wahl nur bei entsprechender Versicherungsdeckung.
  • Sachschäden, Reise-, Transport- und Rettungskosten werden in der Abredeversicherung gedeckt. (Inland unbegrenzt, Ausland 20% des UVG-Maximums).
    Die Krankenkasse übernimmt diese Kosten nur, wenn dafür eine separate Deckung vereinbart wurde.
  • Leichentransport- und Bestattungskosten sind in der Abredeversicherung gedeckt. Bei der Krankenkasse muss auch dafür eine separate Deckung vereinbart werden.
  • Einige Unfallversicherungen vergüten bei Arbeitsunfähigkeit Taggelder (80% des letzten Lohnes). Bei der Krankenkasse muss auch dieser Posten separat versichert werden.
    Im Falle einer länger andauernden Arbeitsunfähigkeit werden auf dem UVG basierende Taggelder zeitlich unbegrenzt (bis zum Beginn einer allfälligen Rente) vergütet. Taggeldzahlungen gemäss KVG oder VVG werden in der Regel nach zwei Jahren eingestellt.
    Die Vergütung der Taggelder ist unter Juristen umstritten. Die Versicherungen, welche keine Taggelder vergüten, stellen sich auf den Standpunkt, dass ohne effektiver Arbeitsausfall (welcher während einer Arbeitspause ja nicht gegeben ist) auch kein Lohnausfall zu decken sei.
  • Eine allfällig notwendige Rente aus der Abredeversicherung wird bis zum Lebensende vergütet (80% des letzten Lohnes respektive als Komplementärrente zur AHV/IV).
    Eine Rente der Krankenkasse muss ebenfalls zusätzlich versichert werden und ist in der Regel auf 2 Jahre begrenzt – oder kaum bezahlbar.
  • Aus der Abredeversicherung werden Integritäts- und Hilflosenentschädigungen vergütet, die Krankenkasse bezahlt keine solchen Leistungen.
  • Im Todesfall erhalten Ehepartner und Kinder aus der Abredeversicherung eine Rente oder eine Kapitalabfindung, die Krankenkasse vergütet weder noch.
  • UVG-Renten werden der Teuerung angepasst, KVG- oder VVG-Renten erfahren eine Anpassung an die Teuerung nur, wenn eine solche vereinbart ist – was natürlich die Prämie wieder hochtreibt.

Die Abredeversicherung kostet also etwas mehr (Fr. 40 bis Fr. 45 pro Monat), bietet aber diverse Vorteile gegenüber der Unfalldeckung in der Krankenkasse. Die Abredeversicherung ist auf 6 Monate begrenzt und falls vor Ablauf der Versicherung eine neue Stelle angetreten wird, kann die Prämie nicht zurückgefordert werden.

Die Abredeversicherung kann abgeschlossen werden von…:

  • Angestellten, welche eine unbezahlte Auszeit (länger als 1 Monat) nehmen und danach wieder an den alten Arbeitsplatz zurückkehren.
  • Angestellten, welche einen längeren Dienst beim Militär oder Zivilschutz antreten und danach nicht wieder an den alten Arbeitsplatz zurückkehren. Während dem Dienst sind diese Personen bei der Militärversicherung versichert, die Deckung besteht aber nur bis zum letzten Diensttag inklusive dem Weg nach Hause.
  • Angestellten, welche nach dem Austritt aus einem Arbeitsverhältnis länger als einen Monat lang weder eine neue Stelle antreten noch sich bei der Arbeitslosenkasse anmelden.

Arbeitgebende sind verpflichtet, Arbeitnehmende über die versicheruntstechnische Situation betreffend Unfalldeckung zu informieren – das gilt in besonderem Masse bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses.

Die jüngsten Beiträge