November 27, 2021

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Dauer der Lohnfortzahlung bei Krankheit

Im Gegensatz zum Arbeitsausfall bei Unfall ist die Lohnfortzahlung bei Krankheit gesetzlich nur rudimentär geregelt. Massgebend sind die beiden Artikel 324a und 324b im Obligationenrecht, wobei hier nicht nur der Krankheitsfall sondern auch andere Absenzgründe geregelt werden. Konkret wird festgehalten:

  • Bei befristeten Arbeitsverhältnissen, welche für mehr als 3 Monate eingegangen werden, gilt ab dem ersten Tag Lohnfortzahlungspflicht.

    Lohnfortzahlung ist jedoch nur bis zum vereinbarten Ende des Arbeitsverhältnisses geschuldet. Auch Versicherungen vergüten in der Regel keine Taggelder über das Ende eines befristeten Arbeitsverhältnisses hinaus.

  • Bei unbefristeten Arbeitsverhältnissen ist während den ersten 3 Monaten keine Lohnfortzahlung geschuldet. Arbeitnehmende sind in dieser Zeit also einem erhöhten Lohnausfallrisiko ausgesetzt
  • Ab dem vierten Dienstmonat bis zur Vollendung des ersten Dienstjahres muss der Lohn bei Krankheit während 3 Wochen vergütet werden, grundsätzlich zu 100%.
  • Ab dem zweiten Dienstjahr muss gemäss Gesetz ‚während einer angemessenen Zeit‘ Lohnfortzahlung geleistet werden.

Die Formulierung ‚angemessene Zeit‘ im OR provoziert Streitfälle. Aus der Rechtsprechung haben sich deshalb drei Skalen etabliert, welche der Bestimmung der Dauer der Lohnfortzahlung dienen. Je nach Arbeitsort kommt dabei eine andere Skala zur Anwendung:

  • Die Basler-Skala in den Kantonen Basel Stadt und Basel Landschaft
  • Die Zürcher-Skala in den Kantonen Zürich, Schaffhausen und Thurgau
  • Die Berner-Skala in allen übrigen Kantonen.

Den drei Skalen ist gemeinsam, dass mit zunehmender Dauer des Arbeitsverhältnisses auch die Dauer der Lohnfortzahlung zunimmt. Je nach Dienstjahr und Arbeitsort ergeben sich aber beträchtliche Unterschiede. Die folgende Grafik vergleicht die drei Skalen. Gezeigt wird die Anzahl Wochen Lohnfortzahlung pro Dienstjahr:

Vergleich Skalen Lohnfortzahlung

Grundsätzlich muss der Lohn während der vorgeschriebenen Dauer zu 100% vergütet werden. Davon abgewichen werden kann, wenn vertraglich etwas Anderes vereinbart ist (Einzel- oder Gesamtarbeitsvertrag), wobei in diesem Fall in der Regel auch ein Anschluss an eine kollektive Krankentaggeldversicherung vereinbart wird.

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