November 27, 2021

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Kommanditär: selbstständig oder angestellt?

Ob ein/e Kommanditär/in für die Sozialversicherungen (insbesondere AHV und UVG) als selbstständig gilt oder nicht, sollte geklärt werden - andernfalls drohen unliebsame Konsequenzen.

Gründen zwei oder mehr Personen eine Firma, ohne dieser einen juristischen Mantel in Form einer AG oder einer GmbH zu verleihen, bieten sich hauptsächlich zwei Möglichkeiten: die Kollektivgesellschaft oder die Kommanditgesellschaft.

Bei der Kollektivgesellschaft sind in der Regel alle beteiligten Personen mitarbeitend. Die Ausgleichskasse beurteilt alle Gesellschafter/innen separat als selbstständig erwerbend.

Bei der Kommanditgesellschaft hingegen ist immer mindestens eine Partei, nämlich der/die Kommanditär/in, in erster Linie ’nur‘ kapitalgebend. Arbeitende Kraft ist der/die Komplementär/in.
Aber: es ist durchaus erlaubt bzw. möglich, dass der/die Kommanditär/in in der Firma mitarbeitet und damit in ein Arbeitsverhältnis mit der eigenen Firma eintritt. Jetzt stellt sich die Frage: ist das Einkommen aus dieser Tätigkeit als Selbstständigkeit zu deklarieren oder muss die Firma wie für alle anderen Angestellten auch Beiträge an die Sozialversicherungen abliefern?

Weshalb die Unterscheidung?

Weil sich je nach Status elementare Unterschiede im Bereich der Sozialversicherung bzw. der Versicherungsdeckung ergeben:

  • Die AHV-Beiträge für Selbstständige können tiefer ausfallen als für Angestellte – Stichwort ’sinkende Beitragssätze‘. Bei den Angestellten muss die Hälfte der Beiträge von der Firma bezahlt werden, Selbstständige bezahlen die Beiträge zu 100% selber.
  • Angestellte sind automatisch in der obligatorischen Unfallversicherung (gemäss UVG) versichert, Selbstständige nicht. Letztere können sich jedoch freiwillige gemäss UVG versichern lassen.
  • Angestellte müssen ab einem bestimmten Jahreseinkommen einer Pensionskasse angeschlossen werden.
  • Angestellte haben grundsätzlich Anrecht auf Taggelder der Arbeitslosenversicherung. Das gilt aber nicht für Geschäftsführer von AG’s und GmbH’s sowie nur bedingt für Beteiligte an Personengesellschaften, wie eben Kommanditäre/innen. Bei diesen richtet sich der Anspruch auf Arbeitslosengeld danach, welche Tätigkeit die betroffene Person genau für die Firma erbracht hat und inwiefern diese Person massgeblichen Einfluss auf die Entscheidungen der Firma hat bzw. hatte.

Status-Klärung

Um beurteilen zu können, welchen Status der/die Kommanditär/in hat, muss dessen bzw. deren Rolle also genau analysiert werden:

  • Der/die Kommanditär/in ist in erster Linie Geldgeber/in. Geld wird in unseren Breitengraden üblicherweise gegen Zins zur Verfügung gestellt, allenfalls wird zusätzlich ein Anspruch auf einen Gewinnanteil vereinbart. Es herrscht Vertragsfreiheit.
    Als Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit gelten immer der Gewinnanteil und allenfalls überhöhte Zinsen (Ziffer 1030 WSN „Wegleitung über die Beiträge der Selbstständigerwerbenden und Nichterwerbstätigen in der AHV, IV und EO“). Ohne Mitarbeit gelten diese Einkommen also immer als Einkommen aus Selbstständigkeit, ein Anschluss an eine Pensionskasse und an einen Versicherungsvertrag nach UVG sind nicht möglich.
  • Arbeitet der/die Kommanditär/in in der Firma mit, muss die Funktion bzw. die organisatorische Einordnung geklärt werden:
    Die Verordnung zum AHV-Gesetz definiert in Art. 7 Bst. d.
    „Zu dem für die Berechnung der Beiträge massgebenden Lohn gehören (…) insbesondere Entgelte der Kommanditäre, die aus einem Arbeitsverhältnis der Kommanditgesellschaft fliessen und Gewinnanteile der Arbeitnehmer, soweit sie den Zins einer allfälligen Kapitaleinlage übersteigen.“
    Die WSN präzisiert in den Ziffern 1031 und 1032:
    „Das Arbeitsentgelt des Kommanditärs gehört im Allgemeinen zum massgebenden Lohn. Zum Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit gehört das Arbeitsentgelt nur, wenn der Kommanditär nicht aufgrund eines Anstellungsverhältnisses, sondern in der Eigenschaft als Gesellschafter für die Gesellschaft tätig ist (zB als Geschäftsführer)“

Die exakte, am besten schriftliche Umschreibung der Tätigkeit und Funktion von mitarbeitenden Kommanditären/innen und auch deren Beurteilung, allenfalls im Rahmen eines Rulings mit den Sozialversicherungen, ist deshalb sehr wichtig. Damit können entweder Nachzahlungen oder aber Leistungsverweigerungen und sich daraus ergebende Streitigkeiten von vornherein vermieden werden.

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