November 27, 2021

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Kurzarbeit: der 13. Monatslohn

Um die im Rahmen der Kurzarbeit ausgefallenen Arbeitsstunden vom Lohn kürzen zu können, muss der durchschnittliche Stundensatz berechnet werden. Warum der 13te dabei gegenüber dem/der Mitarbeitenden nicht berücksichtigt werden darf, erfahren Sie in diesem Beitrag...

Ein Thema, welches meines Erachtens oft etwas lasch gehandabt wird, ist die Behandlung des 13. Monatslohnes. Sofern nicht anders vereinbart, gilt auch der 13. Monatslohn als Lohnbestandteil, welcher im Rahmen der Kurzarbeit gekürzt werden kann. Die Frage ist nur: wann?

Ich verwende die gleichen Beispielzahlen wie im Beitrag Kurzarbeit: Berechnung des Stundensatzes:

Mitarbeiter A erhält monatlich Fr. 6’000 sowie einen 13. Monatslohn in gleicher Höhe am Ende des Jahres. Als monatliche Arbeitszeit verwende ich hier die Berechnung nach SECO-Methode, also durchschnittlich 174.66 Stunden pro Monat im 2020. (Siehe dazu ebenfalls Beitrag Kurzarbeit: Berechnung des Stundensatzes

Im Internet finden sich Beispiele, bei denen der Stundensatz unter Einbezug des 13. Monatslohnes berechnet wird. Es gibt dabei zwei Wege zum Ziel:

  • Jahreslohn dividiert durch die Jahresstunden:
    Fr. 78’000 / 2’096 Std = Fr. 37.21374.
  • Monatslohn zuzüglich dem monatlichen Anteil 13ter dividiert durch die Monatsstunden:
    (Fr. 6’000 + Fr. 500) / 174.66667 Std = Fr. 37.21374

Die Fr. 37.21374 entsprechen also dem Verdienst pro Stunde inklusive dem 13. Monatslohn.
Was passiert, wenn dieser Stundensatz – beispielsweise im März mit 176 Stunden – in die Abrechnung der Kurzarbeit fliesst?

Basislohn   Fr. 6’000.00
Abzug Ausfallstunden 176 Std. x Fr. 37.21374 – Fr. 6’549.55
Vergütung ALV 80% von Fr. 6’549.55 + Fr. 5’239.70
Bruttolohn   = Fr. 4’690.15

Der so errechnete Bruttolohn entspricht nicht den 80% Ersatzleistung, welche gemäss AVIG Art. 34 Abs. 1 geschuldet sind. Im Vergleich zur Berechnung OHNE Anteil 13. Monatslohn (siehe dazu die Beispiele im Beitrag Kurzarbeit: Berechnung des Stundensatzes reduziert sich der Bruttolohn um weitere Fr. 100.75.

Der Grund dafür ist: der monatliche Anteil am 13. Monatslohn von Fr. 500 (Fr. 6’000 / 12) wird bereits in der aktuellen Lohnabrechnung um 20% gekürzt. Der/die Arbeitnehmer/in finanziert damit also die Kürzung eines Lohnbestandteiles vor (eben den 13ten), welcher erst am Ende des Jahres ausbezahlt wird.

Dies als falsch zu bezeichnen wäre hart ausgedrückt. Wie oben erwähnt, ‚kommt‘ der 13te ja Ende Jahr (dafür vollständig) und die Differenz ist ausgeglichen. Wirklich richtig ist das aber auch nicht. Der/die Arbeitnehmerin erleidet sowieso schon eine Lohneinbusse… und soll jetzt noch die Kürzung des 13ten vorfinanzieren?

Natürlich erhält der Arbeitgeber die Kurzarbeitsentschädigung inklusive dem 13. Monatslohn aus rein praktikablen Gründen in einem Betrag ausbezahlt. In diesem Sinne kann es als korrekt betrachtet werden, dem/der Arbeitnehmer/in die gleiche Vergütung weiterzuleiten. In einem solchen Fall müsste aber konsequenterweise auch gleich der monatliche Anteil am 13. Monatslohn ganz oben im Basislohn mitberücksichtigt werden:

Basislohn   Fr. 6’500.00
Abzug Ausfallstunden 176 Std. x Fr. 37.21374 – Fr. 6’549.55
Vergütung ALV 80% von Fr. 6’549.55 + Fr. 5’239.70
Bruttolohn   = Fr. 5’190.15

80 Prozent von Fr. 6’500 ergibt zwar genau genommen Fr. 5’200 – die knapp 10 Franken Differenz sind darauf zurückzuführen, dass nicht mit der effektiven Anzahl Stunden pro Monat sondern mit einem Durchschnitt gerechnet wird.

Ein ’netter‘ Nebeneffekt dieser Methode ist, dass dem/der Arbeitnehmer/in durch die Vergütung des monatlichen Anteils am 13. Monatslohn der Verdienstausfall etwas abgefedert wird. Allerdings wird mit dieser Methode am Ende des Jahres der 13. Monatslohn um einen vollen 12tel gekürzt (unter der Bedingung, dass ein voller Monat komplett als Ausfallzeit zu verzeichnen ist.)

Die ’sauberste‘ Methode ist wohl, den Stundensatz OHNE Anteil 13. Monatslohn zu verwenden und den 13. Monatslohn tatsächlich erst am Ende des Jahres anteilmässig zu kürzen.
Dazu wird die Lohnabrechnung idealerweise ergänzt mit einem Vermerk, dass aufgrund der Kurzarbeit am Ende des Jahres eine Kürzung des 13. Monatslohnes ansteht. Das könnte dann etwa wie folgt aussehen:

Basislohn   Fr. 6’000.00
Abzug Ausfallstunden 176 Std. x Fr. 34.35 – Fr. 6’045.60
Vergütung ALV 80% von Fr. 6’045.60 + Fr. 4’836.50
Bruttolohn   = Fr. 4’790.90
     
Kürzung 13ter pro Memoria (Fr. 6’045.60 – 4’836.50) / 12 Fr. – 100.75

So ist transparent dargestellt, was passiert bzw. passieren wird und der/die Arbeitnehmer/in wird nicht unnötig mit vorgezogenen Lohnkürzungen belastet.

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