November 27, 2021

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Kurzarbeit: Berechnung Stundensatz

Die Informationen zur Kurzarbeit sind zahl- und umfangreich – und teilweise komplex wie letztlich die Abrechnung auch. Schulbeispiele à la ‘Lohn x 80% = Kurzarbeitsentschädigung’ sind mehr Theorie als Praxis, viele Details sind rechtlich gar nicht oder nur unvollständig geklärt, es besteht also Interpretationsspielraum und damit Streitpotential. Dieser Beitrag behandelt die Berechnung des anzuwendenden Stundenverdienstes.

Um Kurzarbeit in der Lohnabrechnung korrekt verarbeiten zu können, werden hauptsächlich zwei Komponenten benötigt:

  • Anzahl Ausfallstunden
  • anrechenbarer Stundenverdienst (Stundensatz)

Die Ausfallstunden sind leicht zu ermitteln. Diese MÜSSEN sogar nachvollziehbar dokumentiert sein, um der Arbeitslosenkasse den Arbeitsausfall nachweisen zu können.

Die Ermittlung des Stundensatzes dagegen bietet Spielraum. Die Rede ist hierbei nicht von den Arbeitnehmenden im Stundenlohn – hier ist der Stundensatz (relativ) klar gegeben. Der durchschnittliche Stundensatz bei Angestellten im Monatslohn hingegen kann auf unterschiedliche Art berechnet werden:

  • effektiv, entsprechend der Anzahl Sollstunden im betreffenden Monat
  • als Durchschnitt – wobei hier mehrere Möglichkeiten bestehen

Ein Beispiel:

Die Firma X muss für den ganzen März 2020 und den ganzen April 2020 Kurzarbeit abrechnen, zu 100%. Gearbeitet wird normalerweise von Montag bis Freitag, 8 Stunden täglich. Im März sind somit 176 Ausfallstunden zu verzeichnen (22 Arbeitstage zu 8 Stunden), im April deren 160 Stunden (20 Arbeitstage à 8 Stunden)

Aufgrund der effektiven Sollstunden berechnet sich der Stundensatz für eine/n Mitarbeiter/in mit Fr. 6’000 Monatslohn wie folgt: März: Fr. 6’000 / 176 = Fr. 34.09 pro Stunde April: Fr. 6’000 / 160 = Fr. 37.50 pro Stunde.

Wird der Stundensatz mit einer Durchschnittsmethode gerechnet, ergibt sich je nach Methode ein leicht anderer Wert:

  • Gemäss dem bis anhin geltenden Abrechnungsformular für Kurzarbeit ist im 2020 mit 262 Arbeitstagen zu rechnen, multipliziert mit 8 Stunden ergibt 2’096 Stunden pro Jahr, das entpricht 174.6667 Stunden pro Monat. Daraus ergibt sich ein Stundensatz von Fr. 34.35 (6’000 / 174.6667)
  • Eine andere Methode rechnet mit 52 Wochen zu 40 Arbeitsstunden, das ergibt 2’080 Stunden pro Jahr, also 173.33 Stunden pro Monat.. Daraus ergibt sich ein Stundensatz von Fr. 34.62 (6’000 / 173.33)
  • Auch die Methode diverser Arbeitsgerichte ist möglich: diese rechnen mit durchschnittlich 21.7 Arbeitstagen pro Monat, multipliziert mit den 8 Stunden täglich ergibt das 173.6 Stunden. Daraus ergibt sich ein Stundensatz von Fr. 34.56 (6’000 / 173.60)

Fazit: es stehen verschiedene Stundensätze zur Auswahl. Eine klare Regelung, welche Berechnungsart bei Kurzarbeit angewendet werden soll, fehlt. Empfohlen wird, eine der Durchschnittsmethoden anzuwenden. Das bringt in dem Sinne eine Vereinfachung mit sich, als dass sich der Stundensatz über mehrere Kalendermonate hinweg nicht ändert, es können aber leicht groteske Lohnabrechnungen ‚entstehen‘. Die folgenden Beispiele illustrieren dies:

Beispiel 1

Annahmen:

  • der Stundensatz wird gemäss dem SECO-Formular berechnet, also auf der Basis von 174.6667 Stunden pro Monat, sprich Fr. 34.35 bei Fr. 6’000 Monatslohn.
  • Im ganzen April 2020 fällt die Arbeit zu 100% aus, die Mitarbeitenden rapportieren für die 20 Arbeitstage (22 abzüglich Ostern) also 160 Ausfallstunden.
  • Weil der GANZE Monat komplett ausfällt, müsste also der/die Angestellte mit Fr. 6’000 Monatslohn – Schulbeispiel Kurzarbeit – 80% erhalten, also Fr. 4’800 (brutto).

Die Lohnabrechnung sieht wie folgt aus:

Basislohn Fr. 6’000.00
Abzug Ausfallstunden 160 Std. x Fr. 34-35 – Fr. 5’496.00
Vergütung ALV 80% von Fr. 5’496.00 + Fr. 4’396.80
Bruttolohn = Fr. 4’900.80

Der/die Arbeitnehmer/in sagt danke, denn es werden Fr. 100.80 mehr vergütet als eigentlich vorgesehen ist. Fr. 4’900.80 sind nun mal nicht 80% von Fr. 6’000 und damit widerspricht diese Lohnabrechnung streng genommen den Vorgaben von AVIG Art. 34 Abs. 1, wonach „die Kurzarbeitsentschädigung 80 Prozent des anrechenbaren Verdienstausfalls beträgt“. Würde hier die Stundensatz-Berechnung nach effektiver Methode angewendet (also Fr. 37.50 pro Stunde), käme man exakt auf die Fr. 4’800 Bruttolohn.

Beispiel 2

Annahmen:

  • es gelten die gleichen Voraussetzungen wie in Beispiel 1, nur wird jetzt der März 2020 abgerechnet (22 Tage zu 8 Stunden = 176 Ausfallstunden

Die Lohnabrechnung:

Basislohn Fr. 6’000.00
Abzug Ausfallstunden 176 Std. x Fr. 34-35 – Fr. 6’045.60
Vergütung ALV 80% von Fr. 6’045.60 + Fr. 4’836.50
Bruttolohn = Fr. 4’790.90

Ob der/die Arbeitnehmer/in in diesem Fall wegen der fehlenden Fr. 9.10 ein Fässchen aufmacht oder nicht, sei mal dahingestellt. Der Punkt ist: auch hier entspricht der Lohn nicht exakt den 80 Prozent des Verdienstausfalles – welcher notabene exakt Fr. 6’000 beträgt, nicht Fr. 6’045.60 und auch nicht Fr. 5’496.00.

Die Unterschiede sind zwar minim, aber: irgendjemand kuckt bei Anwendung einer Durchschnittsmethode jeweils in die sprichwörtliche Röhre. Meines Erachtens wäre die effektive Methode am fairsten für alle Beteiligten – Arbeitnehmende, Arbeitgebende und letztlich auch für den Staat. Der Stundensatz würde zwar monatlich schwanken, dafür entspräche der berechnete Verdienstausfall und die darauf basierende Entschädigung exakt den tatsächlichen Verhältnissen und nicht zuletzt auch den gesetzlichen Vorgaben.

Aber: es besteht Wahlfreiheit bezüglich der Berechnungsmethode, sofern die Beteiligten einverstanden sind und alle Arbeitnehmenden gleich behandelt werden. Dass in der Regel auf Durchschnittsmethoden zurückgegriffen wird, dürfte der einfacheren Handhabung geschuldet sein.

Was betreffend dem 13. Monatslohn (oder einer geschuldeten Gratifikation) zu beachten ist, lesen Sie in diesem Beitrag.

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