November 27, 2021

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Quellensteuer 2021

Ab 2021 gilt das die neue Quellensteuer-Gesetzgebung. Dieser Beitrag liefert Ihnen eine Übersicht. Eines der Ziele, das Steuergesetz international (vor allem EU-) akzeptabel zu gestalten ist voll gelungen: einfacher wird's nicht...

Die ab 2021 geltenden Regeln für die Quellensteuer lassen sich grob wie folgt zusammenfassen:

  • Mit der Überarbeitung der Quellensteuergesetzgebung wurde mehr Konformität mit den Besteuerungsmechanismen der EU und mehr Steuergerechtigkeit angestrebt, deshalb…
  • …wird die Handhabung der Quellensteuer für Arbeitgebende künftig eher komplizierter als einfacher und…
  • …Arbeitnehmende bezahlen tendenziell etwas mehr Steuern (Teilzeitbeschäftigte mit mehreren Arbeitsstellen, Nebenverdienstler/innen)

Schluss mit Ironie, es werden tatsächlich einige ‚Ungerechtigkeiten‘ ausgemerzt – und die QST-Berechnung wird wirklich etwas komplexer.

Die Neuerungen im Einzelnen

  • Wer im Ausland wohnt, jedoch mindestens 90% seines weltweiten Einkommens in der Schweiz erzielt, gilt als ‚quasi-ansässig‚ und hat damit ab 2021 das Recht auf eine ordentliche Steuerveranlagung in der Schweiz.
  • Bis 2020 konnten Quellenbesteuerte mit Wohnsitz in der Schweiz und mit mindestens Fr. 120’000 Einkommen die ordentliche Steuerveranlagung beantragen.
    Ab 2021 steht diese Möglichkeit allen Quellenbesteuerten offen. Dafür entfällt das Instrument der Tarifkorrektur.
  • Die Veranlagung im ordentlichen Verfahren kann bis zum 31. März (rückwirkend für das abgelaufene Jahr) beantragt werden.
    Der/die Ehepartner/in oder der/die eingetragene Partner/in wird ebenfalls im Rahmen des ordentlichen Verfahrens veranlagt.
    Ein Zurück zur Quellenbesteuerung gibt es nicht.
  • Arbeitnehmende aus Staaten ohne Steuerabkommen mit der Schweiz können bei ihrer Rückreise in die Heimat die einbezahlten AHV-Beiträge zurückfordern. Diese Rückvergütung erfolgt bis Ende 2020 steuerfrei, ab 2021 erfolgt die Besteuerung über den Tarifcode D (zu 1%).
    Relevanz hat das nur für die Ausgleichskassen respektive die Zentrale Ausgleichsstelle in Genf (ZAS).
  • Bis und mit 2020 wurden Nebenverdienste über den Tarifcode D (oder O für Grenzgänger DE) zu einem durchaus vorteilhaften Steuersatz abgerechnet.
    Ab 2021 werden Nebenverdienste über die ordentlichen Tarife besteuert. Infolge der satzbestimmenden Hochrechnung von Teilzeiteinkommen werden Nebenverdienste zum Teil massiv höher belastet.
  • Der Tarifcode O (Nebenverdienste für Grenzgänger/innen) wurde ersatzlos gestrichen.
  • Versicherungstaggelder, welche direkt an Versicherte vergütet werden, werden über die Tarife G und Q (Grenzgänger DE) abgerechnet.

Vereinheitlichungen

  • Als Basis für die satzbestimmende Hochrechnung bei untermonatigem Ein-/Austritt gilt künftig schweizweit (also wirklich in JEDEM Kanton – halleluja…) 30 Tage
  • Es gilt schweizweit die gleiche Bezugsprovision.
  • Die Abrechnung erfolgt immer mit dem zuständigen Kanton. Künftig können keine Sammelabrechnungen mehr über eine einzige kantonale Steuerverwaltung eingereicht werden.

Berechnungsbeispiel

Wie weiter oben erwähnt, werden einzelne Personengruppen – nämlich Teilzeitangestellte mit mehreren Arbeitsverhältnissen sowie im Tarif D besteuerte Bezüger/innen von Tageshonoraren – ab 2021 eher höher besteuert. Grund: bestimmte Lohnbestandteile werden künftig auf den gesamten Beschäftigungsgrad (oder das gesamte Einkommen) hochgerechnet, um den Steuersatz zu bestimmen. Am deutlichsten veranschaulicht das ein Zahlenbeispiel:

Der/die Arbeitnehmende (notabene QST-pflichtig) ist zu 60% angestellt und erhält dafür monatlich Fr. 3’000 Lohn. Nebenbei arbeitet diese Person noch zu 20% fix als Hauswart. Weiter hat die Person Anspruch auf eine monatliche Kinderzulage von Fr. 200, zusätzlich wird ein Bonus von Fr. 1’000 vergütet.

Satzbestimmendes Einkommen

  • Der Grundlohn von Fr. 3’000 wird auf das Gesamtpensum von 80% hochgerechnet: Fr. 3’000 / 60 x 80 = Fr. 4’000
  • Die Kinderzulage von Fr. 200 wird nicht hochgerechnet, da es sich hierbei um einen Fixbetrag handelt.
  • Das gleiche gilt für den Bonus: die Fr. 1’000 werden ohne Hochrechnung für die Berechnung des satzbestimmenden Einkommens berücksichtigt.
  • Das satzbestimmende Einkommen beträgt demnach:
    Fr. 4’000 + Fr. 200 + Fr. 1’000 = Fr. 5’200.
    Aus der Tariftabelle wird der diesem Einkommen entsprechende Tarif entnommen, das effektiv erzielte Einkommen von Fr. 4’200 wird zum Satz von Fr. 5’200 besteuert.
  • Die Hochrechnung muss nicht zwangsläufig auf das Gesamtpensum erfolgen, sie kann auch auf dem Gesamteinkommen abstützen. Das bedingt allerdings, dass der/die Arbeitnehmende bei jedem/r Arbeitgebenden alle Einkommen offen legt.

Dieses Prinzip der Hochrechnung ist für die meisten Kantone neu (VD, GE und TI kannten das Prinzip bereits mehr oder weniger). Dass nicht alle Lohnbestandteile hochgerechnet werden, ist fair, macht aber die Sache nicht leichter. Nicht immer ist wirklich klar, ob nun ein Lohnbestandteil (bzw. eine Lohnart) als periodisch (der Hochrechnung unterliegend) oder als aperiodisch (der Hochrechnung nicht unterliegend) gilt. Zudem wird dem Quellensteueramt – bei Meldung mittels Formular – nur eine Lohnsumme gemeldet. Es ist nicht klar, ob nun der pflichtige Lohn korrekt berechnet wurde oder nicht – es ist deshalb zu vermuten, dass künftig vermehrt Kontrollen im Bereich der Quellensteuer stattfinden werden.

Hochrechnung von Lohnbestandteilen

Die Hochrechnung bei Angestellten mit fixem Pensum erfolgt wie oben ausgeführt. Bei Stundenlöhnern wird auf einen Standardwert abgestellt: die betriebsübliche durchschnittliche monatliche Arbeitszeit (BDMA). Diese errechnet sich mittels Multiplikation der üblichen Tagesarbeitszeit mit 21.667 – bei einer 40-Stunden-Woche also 8 x 21.667 = 173 Stunden.
Bei Angestellten im Stundenlohn, welche nicht monatlich Lohn erhalten (z.B. die Aushilfe für die Inventarisierung) erfolgt die Hochrechnung basierend auf 180 Stunden pro Monat. Dabei handelt es sich um einen schweizweit (ich wiederhole mich: Halleluja) einheitlichen Wert.

Sind Sie als Dozierende/r oder als Referent/in auf Basis Tageshonorar tätig? Dann dürfte Ihre Steuerbelastung unter Umständen kräftig steigen, nämlich dann, wenn Sie bis anhin im Tarif D oder O (Nebenverdienste) besteuert wurden. Je höher Ihre Tageshonorare sind, desto kräftiger schlägt ab 2021 die Progression zu: die erzielten Honorare werden zwecks Satzbestimmung auf 21.667 hochgerechnet.

Damit Arbeitgebende den QST-Satz künftig korrekt bestimmen können, müssen diese verschiedene Informationen bei den Arbeitnehmenden ‚abholen‘:

  • Bestehen weitere Arbeitsverhältnisse und wenn ja: zu welchem Pensum?
    (die Angabe des effektiven Einkommens ist freiwillig, ob jedoch weitere Arbeitsverhältnisse bestehen und wie hoch der Beschäftigungsgrad dort ist, liegt im Bereich der Auskunftspflicht des/der Arbeitnehmenden.)
  • Bezieht der/die Arbeitnehmende Versicherungstaggelder, wenn ja: wie viel?
  • In den Kantonen GE, VD und TI sind Angaben zum/zur Partner/in zwingend (Name, Geburtsdatum, Tätigkeit)
  • In den übrigen Kantonen ist zumindest die Angabe notwendig, ob die quellensteuerpflichtige Person verheiratet ist oder in einer eingetragenen Partnerschaft lebt.
    Diese Angaben müssen aber sowieso mit der Anmeldung beim Quelllensteueramt geliefert werden.

Das sind – kurz zusammengefasst – die wichtigsten Neuerungen, gültig ab 1. Januar 2021. Detailliertere Informationen finden Sie unter den eingefügten Hyperlinks.

Linksammlung

  • Sammlung der Kreisschreiben der ESTV (Kreisschreiben Nr. 45 behandelt die Quellensteuer 2021) – Link
  • Medienmitteilung der ESTV betreffend Quellensteuer 2021 mit Linksammlung – Link
  • Die BDO fasst die Neuerungen hier zusammen. Betreffend Hochrechnung eines/einer 100%-Angestellten bin ich anderer Meinung…

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